Museum Het Schip

Es heißt zwar "Het Schip" (das Schiff), aber eine Schiffsform kann man nur mit viel Fantasie in das große Backsteingebäude hineininterpretieren, in dem das Museum namens Het Schip untergebracht ist. Het Schip ist ein Paradebeispiel der sog. Amsterdamse School, der Amsterdamer Schule, einer Architekturrichtung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Zu den wichtigsten Begründern dieser Architekturrichtung zählte Michel de Klerk, der rund um den Platz namens Spaarndammerplantsoen in Amsterdam West ein Viertel für das einfache Volk schuf. Sein Ziel war es, für Arbeiterfamilien besseren Wohnraum zu schaffen, der zudem von viel Grün umgeben war. So entstanden am Spaarndammerplantsoen mehrere Wohnblöcke. Zwei der Wohnblöcke wurden in den Jahren 1913 bis 1914 errichtet; der dritte Wohnblock, der später als Het Schip bezeichnet wurde (Michel de Klerk nannte diesen Block nur Block 3 und nicht Het Schip), kam im Jahr 1919 hinzu. Auftraggeber war die Amsterdamer Wohnungsgesellschaft Eigen Haard (eigener Herd).

Expressionistische, fantasievolle Architektur

Für die Arbeiterklasse war Michel de Klerk nichts zu teuer und aufwändig: Die Wohnblöcke bestanden im unteren Bereich aus dunklen Backsteinen, die senkrecht aufgeschichtet wurden, währenddessen im oberen Bereich des Gebäudes rote Backsteine waagrecht gelegt wurden. Die Fassaden sind durchzogen von steinernen Bordüren, und ein Turm dient zur Zierde des dritten Wohnblocks. Die Fenster lassen viel Licht in die Wohnungen und ein raketenförmiger Erker mit runden Fenstern sorgt für architektonische Abwechslung. Der ganze Baustil ist organisch mit vielen Rundungen, sehr fantasievoll und expressionistisch, weshalb er auch als Backsteinexpressionismus bezeichnet wurde. Dazu sagte Michel de Klerk: "Nichts ist schön genug für die Arbeiter, die nun schon so lange ohne Schönheit leben mussten."

Am Freitag zur Post

Michel de Klerk hatte noch eine andere geniale Idee: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Lohn wöchentlich am Freitag an die Arbeiter ausbezahlt. Das geschah in der Kneipe des Viertels (die meist auch in Händen des Arbeitgebers war). Mit dem in der Woche verdienten Geld gönnte man sich also auch gleich mal ein Bier vor Ort ... oder zwei ... oder drei. Oft blieb nicht mehr viel übrig, als der Vater am Freitagabend mit der Lohntüte nach Hause kam. Michel de Klerk beschloss daher, ein kleines Postamt in Block 3, also im Gebäude namens Het Schip, unterzubringen. Dies brachte zwei Vorteile mit sich: Die Arbeiter konnten dort ihr Geld am Freitag abholen (die Kneipen verbannte er dagegen aus "seinem" Viertel), und die ärmere und teilweise auch ungebildete Bevölkerung konnte die Dienste eines Postamtes in Anspruch nehmen. Dort konnte man nicht nur Briefe aufgeben, sondern auch telefonieren.

Lehrsamer Rundgang

Bei einem Rundgang (auf Wunsch auch in Deutsch nach vorheriger Anmeldung) erfährt man mehr über die Lebensweise der Arbeiterbevölkerung. Auf dem Foto unten sieht man im oberen Bereich eine frühere Arbeiterwohnung: Die ganze Familie wohnte in einem dunklen Zimmer. Gegessen, geschlafen, gelernt, gespielt - alles geschah in diesem dunklen Raum. Und auch der Toilettenstuhl stand mitten im Zimmer. Michel de Klerk dagegen schuf größere, hellere und komfortablere Wohnungen (unterer Bildbereich).

Das Museum Het Schip besuchen

Vom Hauptbahnhof (Amsterdam Centraal Station) aus kann man im Prinzip zum Museum laufen (ca. eine halbe Stunde). Ansonsten nimmt man den Bus 22 (fährt ab Bahnhof, Haltestelle gegenüber dem Victoria-Hotel), steigt an der Haltestelle Oostzaanstraat aus und läuft dann ein paar Meter zum Spaarndammerplantsoen 140 (Straße links nehmen).

 

Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr

Die Führungen dauern 45 Minuten, sind gratis und sehr empfehlenswert. Sie werden in Niederländisch und Englisch gegeben (auf Wunsch und gegen einen kleinen Aufpreis auch in Deutsch). Sie finden um 11.00, 12.00, 13.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr statt.

 

Eintritt:

Erwachsene 7,50 Euro 

MuseumKaart gratis

IAmsterdam gratis

Rembrandtkaart gratis

Student 5,00 Euro

Kinderen bis 12  Jahre  gratis

 

Weitere Beispiele der Amsterdamer Schule

Zum Museum Het Schip gehört auch das Besucherzentrum De Dageraad in der Burgemeester Tellegenstraat. Auch das Scheepvaarthuis/Grand Hotel Amrâth Amsterdam sowie viele Bezirke in Amsterdam-Süd wurden in diesem Architekturstil errichtet.