Die Prinzeninsel, Westliche Inseln

Ein Lottogewinn - und ich ziehe um. Und zwar auf die Amsterdamer Prinzeninsel. Nur ca. 10 Minuten vom Hauptbahnhof und vom Viertel Jordaan entfernt versteckt sich eine wahre Oase mit allem, was Amsterdam so schön macht: Grachten, Hausboote, weiße Zugbrücken und Lagerhäuser. Aber alles im Kleinformat, ohne Autos und wunderbar ruhig.

Ein kleines Paradies

Ich laufe über eine der weißen Zugbrücken und mache Fotos, als ich einen älteren Mann entdecke, der auf einem kleinen Kutter in der Sonne sitzt und eine Zigarre raucht. Ob er hoch zur Brücke kommen solle, um ein Foto von mir zu machen? Die Brücke gefällt mir besser ohne mich, lehne ich dankend ab. Und so kommen wir ins Gespräch über die stillen Oasen in Amsterdam, die dennoch nicht weit vom Stadtleben entfernt liegen. "Het is hier net een paradijsje", so sein Fazit. Wie wahr: Es ist hier wie im Paradies.

Die westlichen Inseln

Die Prinzeninsel bildet zusammen mit der Bickersinsel und der Realeninsel die Westlichen Inseln (Westelijke Eilanden). Sie entstanden zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als aufgrund der starken Zuwanderung im mittelalterlichen Zentrum kaum mehr Platz für alle Amsterdamer war. Man weitete den Stadtkern Richtung Hafen aus und schuf die Westlichen Inseln auf aufgeschütteten Sandbänken. So idyllisch wie es dort heute aussieht, war es früher keineswegs. Auf den Westelijke Eilanden waren Handwerker ansässig, die mehr oder weniger mit dem Hafen zu tun hatten. Hier wurde Holz gelagert, Fisch geräuchert, Eisen geschmiedet und Teer hergestellt. Zudem gab es auf den Westlichen Inseln eine Reihe von Schiffswerften.

Werkstätten und Lagerhäuser

Im 18. Jahrhundert kamen zu den kleinen Handwerksbetrieben und Werften Lagerhäuser hinzu. Besonders schön sind die stattlichen Lagerhäuser mit ihren großen hölzernen Fensterläden an der Prinseneilandsgracht, in denen früher Tabak, Salz, Getreide u.v.m. gelagert wurde. Im 20. Jahrhundert dann verlagerte sich die Hafentätigkeit in Amsterdam Richtung Westen, die Handwerksbetriebe mussten schließen, die Lagerhäuser standen leer, und das Viertel verfiel.

Vom Industrieviertel zum Wohnparadies

Erst zu Beginn des 21. Jahrhundert wurden die Westlichen Inseln zu einem reinen Wohnviertel erklärt und die Häuser saniert. Heute befinden sich in den wunderschönen alten Gebäuden Ateliers und Luxuswohnungen, die Lagerhäuser wurden in Lofts umgewandelt. An den Grachten liegen Hausboote, die Ufer sind von kleinen Grünflächen und Schrebergärten gesäumt. Hier wohnen Künstler und Kreative, die Kindern gehen in die Montessorischule, und Autos gibt es überhaupt nicht. Ein Paradies, oder? Ich warte weiterhin auf meinen Lottogewinn ...

Die Drieharingenbrug

Der Name „Dreiheringsbrücke“ stammt von dem benachbarten Haus Vierwindenstraat Nr. 1, das „Die drei gekrönten Heringe“ hieß. Die Drieharingenbrug ist eine Zugbrücke für Fußgänger und vermutlich die schmalste Brücke Amsterdams. Sie verbindet die Prinzeninsel mit der Realeninsel und führt über die Realengracht.

Lage

Prinseneiland, Prinseninsel, Westelijke Eilanden

Vom Zentralbahnhof aus in westlicher Richtung

(Bahnhofsgebäude im Rücken nach rechts) 

ca. 10-15 Minuten zu Fuß

Mit Bus oder Tram: Haltestelle Haarlemmerplein


Auf den Westlichen Inseln übernachten

So wie ich auf meinen Lottogewinn warten muss, um auf der Prinzeninsel wohnen zu können, so muss man wohl auch etwas sparen, um auf den Westlichen Inseln übernachten zu können. Aber dann bekommt man auch was für sein Geld, zum Beispiel das Boat House als eigenes Hausboot auf der Prinsengracht oder das Wharf House auf einem ehemaligen Werftgelände. Bezahlbarer ist das Guesthouse Vierwindenstraat auf der Realeninsel, gleich bei der Drieharingenbrug, doch die Deluxe-Doppelzimmer sind auch immer schnell ausgebucht. Zu den Hotels in Amsterdam bei Booking.com.

Fotos von den Westlichen Inseln